DIE LILA-KUH

im Spiegel der Literatur

Die Lila Kuh ist trotz ihres Namens niemals ein von Oben bis Unten lila angemaltes Rind gewesen, sondern immer eine lilaweiße Kuh. Um ihren Hals hängt eine riesige Kuhglocke und auf ihrer Flanke steht in kürbisgroßen Buchstaben "Milka". Freundlich wendet sich den Kopf und schaut genau in die Kamera – wenn auch nur aus dem einzigen Grund, weil hinter der Kamera ein Helfer stand und geräuschvoll einen Regenschirm aufspannte.

Bereits 1901 gab es auf der Schokoladenverpackung der damals 75 Jahre alten Firma Suchard eine Kuh. Die war allerdings unauffällig weiß. Lila war vorerst nur das Papier, auf das sie gedruckt wurde. Erst 1955 färbte sich auch das Verpackungsrind violett. Das ab 1972 eine echte, lebendige Kuh in dieser Farbe im Fernsehen erschien, ist ein Einfall der Werbefirma Young & Rubicam.

Nachdem Texterin Ilse Theisen und Art Director Sandor Szabo die Lörracher Schokoladenfabrik von Suchard besichtigt hatten, in der von den Maschinen über der Kleidung der Mitarbeiter bis zu den Treppengeländern „alles“ lila war, kam ihnen der Einfall, auch in den Anzeigen und Fernsehspots für Suchard alles Mögliche milkamäßig einzufärben – Luftballons, Weihnachtsbäume, Tauben, Tannenzapfen – und eben auch mal eine Kuh. Der Vorschlag mit der lila Kuh gefiel den Managern von Suchard so gut, dass sie schon kurz nach Anlauf der Kampagne beschlossen, nur noch mit dem eingefärbten Symbol einer heilen Heidi-Bergwelt zu werben. In den Zeitschriftenanzeigen wurde die ungewöhnliche Farbe nachträglich ins Bild retuschiert, aber für die Fernsehaufnahmen kolorierte man die Rindviecher Selbst. Wasserlösliche und ausbürstbare Farbe wurde in einer mühsamen, zwei Stunden dauernden Prozedur mit Schablonen auf die linke Kuhseite aufgetragen, links, weil auch die Kuh auf der Schokoladentafel ihre linke Seite zeigt. Das schwierigste war der Schriftzug.

Rund 20 verschiedene Rindviecher ließen diese Prozedur allein bis 1992 über sich ergehen. Es handelte sich um Simmentaler Höhenfleckvieh, braunweiß gefleckte Rinder, die etwa 800 kg schwer werden. Sie stammen aus dem Stall von Werner Kuhnert. Gestartet wurde die mehrfach prämierte reine Kuhkampagne mit Adelheid, einer mehrfach preisgekrönten Kuh, als Model und mit Werner Bokelberg als Fotografen.

Karen Duve. Thies Völker „Lexikon berühmter Tiere“ (gekürzte Wiedergabe)

Die Geburtsstunde der lila Kuh

Die Idee kam auf der Rückfahrt von der Lörracher Suchard-Schokoladenfabrik in die Frankfurter Agentur. Im Zugabteil saßen die Young & Rubicam-Kreativen Uwe Ortstein (CD), Sandor Szabo (AD) und Ilse Theisen (Text). Es war Herbst 1971. Die Farbe Lila hatte sich beim Werkbesuch tief ins Bewusstsein der drei eingegraben. Alles war lila in den Milka-Hallen: die Maschinen, die Treppengeländer. Auch auf den Korridoren: alles lila. „Als wir dann auf der Rückfahrt draußen die grasenden Kühe sahen, war die Idee geboren“, erinnert sich der heute 69-jährige Szabo.
Die Idee war das eine - doch als nächstes musste auch noch die passende Kuh gefunden werden. Hierfür machte sich der Art Director auf in die Schweiz. Die Suche begann in Appenzeller Land um St. Gallen. „Dort waren die Kühe alle grau-braun und irgendwie uninteressant“, erzählt Szabo.
Einer Hotelangestellten zeigte der Kreative dann die Skizze mit seiner Wunschkuh, einem strammen Fleckvieh. Die fachkundige Frau schickte ihn daraufhin weiter nach Simmental ins Berner Oberland. Dort wurde Szabo mit dem mehrfach preisgekrönten Rind „Adelheid“ bei Bauer Kuhnert fündig.
Über Nacht wurde die Auserwählte schön herausgeputzt und am nächsten Tag von dem Top-Fotografen Werner Bokelberg abgelichtet.

Markus Weber. "100 Jahre Deutscher Markenverband"